Die Faustlos Materialien:
Der Faustlos Koffer: In dem Koffer lassen sich alle Materialien von Faustlos unterbringen.
Er besteht aus Schadstoffrei lackierter, Nadelholzfunierter Pressplatte und ist sehr stabil.
An den Seiten wird wird er mit jeweils einem Haken geschlossen.
Der Deckel läßt sich nach oben aufklappen und hat auf der Innenseite (die dann oben steht) eine Leiste, auf der die Bilder präsentiert werden können.
Das Bildmaterial: Die Bilder sind scharf und kontrastreich auf feste Fotopappe gedruckt.
Sie haben die Maße: Breite= 42 cm x Höhe = 29 cm.
Insgesamt sind es 31 Bilder.

Das Handbuch: Das Handbuch beinhaltet den theoretischen Hintergrund von Faustlos.
1. Einleitung
2. Anwendung des Curriculums
3. Beschreibung der Einheiten
4. Textvorlagen für das Handpuppenspiel
5. Elterninformation
6. Anhang
Das Anweisungsheft: Das Anweisungsheft beinhaltet die Lektionen mit den genauen Arbeitsschritten (Lektionen siehe unten)
Die Handpuppen: Es sind zwei Handpuppen von Folkmanis.
Die Schnecke "die ruhige Schneck" ist ausgefahren etwa 25 cm hoch und aus weichem Stoff.
Die Schnecke kann sich in ihr Schneckenhaus zurückziehen, Mund, Hals und Fühler lassen sich bewegen.
Der Hund "der wilde Willi" ist etwa 20 cm hoch und aus weichem Stoff. Vorder-, Hinterbeine und Maul lassen sich bewegen.
Die Einheiten
Einheit I = Empathie
Begriffserklärung: Empathie kommt dem Begriff "Einfühlung" sehr nahe, beschreibt ihn aber nicht ganz.
Sinngemäß bedeutet er:"Verstehen, sich bewußt sein, sensibel sein und die Gefühle und Gedanken der anderen Person stellvertretend (nach)empfinden können."
"Sich empathisch Verhalten" bedeutet demnach auf angemessene Weise auf die Bedürfnisse und Gefühle anderer zu reagieren.
Sich in andere hineinversetzen zu können ist ein entscheidener Faktor bei der Entwicklung von sozialem Verhalten.
Nur wer weiß wie sich eine andere Person fühlt kann angemessen darauf reagieren.
Wenn ein Kind dies nicht weiß wird es bei Problemen immer die Lösung wählen von denen es alleine profitiert.
Einheit II = Impulskontrolle
Begriffserklärung: "Impulskontrolle" beschreibt die Vermeidung spontaner Handlungen.
Also eine Handlung zu stoppen und darüber nachzudenken, anstatt sofort, unüberlegt zu reagieren.
Wie bedeutend die Unterdrückung von Impulshandlungen für die Gewaltprävention ist, ist offensichtlich.
Damit Kinder ihre Handlungen stoppen können und sich kontrollieren lernen, brauchen sie Strategien nach denen sie vorgehen können, wenn sie merken das es irgendwo "kribbelt"
Einheit III = Umgang mit Arger und Wut
Ärger und Wut sind Gefühlszustände, die keinesfalls vermieden oder unterdrückt werden sollten.
Sie alleine stellen auch nicht das Problem dar, es kommt darauf an, das man konstruktiv mit ihnen umgehen lernt.
Die Lektionen
Insgesamt besteht Faustlos aus 28 Lektionen, die in die oben genannten Einheiten eingeteilt sind.
Die Lektionen bauen aufeinander auf, das bedeutet, das sie anfangs sehr leicht und im Laufe der Zeit immer komplexer werden.
Außerdem wird in späteren Lektionen häufig auf schon gelerntes aus vorangegangenen Lektionen zurückgegriffen.
Einheit I / Empathie
Lektion 1: Was ist Faustlos?
Lektion 2: Gefühle
Lektion 3: Ausschau halten nach weiteren Hinweisen
Lektion 4: Gleich oder Anders
Lektion 5: Gefühle ändern sich
Lektion 6: Wenn - Dann
Lektion 7: Jetzt nicht - vielleicht später
Lektion 8: Mißgeschicke
Lektion 9: Was ist fair?
Lektion 10: Ich fühle mich....,wenn
Lektion11: Aktives Zuhören
Lektion 12: Ich kümmere mich
Einheit II / Impulskontrolle
Lektion 1: Beruhigen - innehalten und nachdenken
Lektion 2: Was ist das Problem?
Lektion 3: Was kann ich tun?
Lektion 4: Eine Idee auswählen
Lektion 5: Funktioniert es so? Klappt es?
Lektion 6: Ein Spielzeug miteinander teilen
Lektion 7: Sich abwechseln
Lektion 8: Aushandeln
Lektion 9 Zuhören - aufmerksam sein
Lektion 10: Jemanden höflich unterbrechen
Einheit III / Umgang mit Ärger und Wut
Lektion 1: Bin ich wütend?
Lektion 2: Sich beruhigen
Lektion 3: Umgang mit Verletzungen
Lektion 4: Umgang mit Beschimpfungen und Hänseleien
Lektion 5: Umgang damit, etwas weggenommen zu bekommen
Lektion 6: Umgang damit, etwas nicht zu bekommen, was man will

Der Aufbau der Lektionen

Die einzelnen Lektionen haben einen gegliederten Aufbau. Die wie folgt aussieht:
Überschrift
- Jede Lektion hat zunächst ein Thema
Vorbereitung
Konzept
- Im Konzept wird die Begründung für die Wichtigkeit des jeweiligen Themas erläutert.
Schlüsselbegriffe
- Die Schlüsselbegriffe dienen der Erzieherin zur Orientierung, sie sind sehr hilfreich, wenn sie droht von der Vorgabe abzuweichen.
Zielsetzung
- Hier werden die Lernziele, die die Kinder erreichen sollen, aufgezeigt
Sie benötigen
- Bei einigen Lektionen werden unterschiedliche Hilfsmittel benötigt, unter anderem die Textvorlagen für die Handpuppenspiele, diese werden dann hier aufgelistet
- Anmerkung für die Erzieherin
- Hier werden Entwicklungphasen von Kindern beschrieben, was sie können, was nicht, was schwierig für sie ist oder was für Probleme bei der Durchführung der Lektionen auftreten könnten.
Unterrichten der Lektionen
Aufwärmphase
- Zum Aufwärmen wird entweder mit den Kindern ein Spiel gespielt, ein Lied gesungen, das zum Thema der jeweiligen Lektion paßt, oder ein Handpuppenspiel angeboten.
Geschichte und Diskussion
- Hier wird nun ein Bild gezeigt (jede Lektion hat mindestens ein Bild) und die Geschichte dazu erzählt. Dann geht es weiter mit der Diskussion zu dem jeweiligen Bild.
Übungen
- In einigen Lektionen werden Übungen zum gerade Gelernten gemacht, dort sagen die Kinder Beispielsweise, was sie in den verschiedenen Situationen tun würden.
Rollenspiele
- In einigen Lektionen sollen die Kinder Rollenspiele durchführen, die entweder vorgegeben sind, oder die sich die Kinder selbst ausdenken.
Übertragung des Gelernten
- Hier sind Anregungen enthalten, wie man das Gelernte im Gruppenaltag vertiefen kann.
Arbeitsweise in der Gruppe
Faustlos wird in der Regel mit allen Kindern einer Gruppe durchgeführt.
Somit entsteht eine heterogene Gruppe, mit Jungen und Mädchen von drei bis sechs bzw. sieben Jahren.
Zur Diskussion sitzen alle Kinder im Sitzkreis (zum Beispiel auf Stühlen oder Kissen).
Die Aufwärmspiele, Rollenspiele, Handpuppenspiele und Lieder können in diesem Kreis durchgeführt werden, sie können aber auch an einem extra Platz z.B in der Ecke des Raumes oder in einem ganz anderen Raum
(z.B. dem Bewegungsraum)durchgeführt werden.
Je nach belieben können auch Hilfsmittel herangezogen werden, zum Beispiel eine Puppenbühne für das Handpuppenspiel, ein Körbchen zur Aufbewahrung von Schneck und Willi oder eine Staffelei für die Präsentation der Bilder.
Jede Lektion dauert etwa 15 bis 20 Minuten, je nach Lektion, Aufmerksamkeit und Mitarbeit der Kinder.
Das Faustlosrojekt wird von der Fachkraft durchgeführt, die an der Fortbildung zu Faustlos teilgenommen hat, gleichgültig ob es sich hierbei um eine Erzieherin, Sozialassistentin oder Kinderpflegerin handelt.
Die Zweite (bei Integrativgruppen auch die dritte) Kraft der Gruppe sollten allerdings bei den Durchführungen immer dabei sein.
Dies hat mehrere Gründe, zum einen, damit sie der durchführenden Kraft ein Feedback über deren Arbeit liefern können, zum anderen, damit sie wissen welche Fähigkeiten und Fertigkeiten die Kinder erlernt haben, damit sie diese bei Bedarf im Kindergartenalltag
wieder aufgreifen können (Übertragung des Gelernten), und zum letzten, damit sie bei Bedarf (z.B. Krankheit der Faustloskraft) für diese einspringen können und das Projekt Nahtlos weitergeführt werden kann.

Arbeitsweise in der Einrichtung

Faustlos wird in die Einrichtung eingebunden, das Bedeutet, das die Erzieherinnen/ Sozialassistentinnin und Kinderpflegerinnen der entsprechenden Einrichtung das Projekt selbständig durchführt.
Der Koffer mit den Materialien werden von der Einrichtung gekauft und verbleiben dort.
Faustlos wird in der Regel einmal die Woche zu einer festen Zeit angeboten.
Nach Ablauf des Projekts wird im folgenden Kindergartenjahr wieder begonnen, am sinnvollsten ist es, ziemlich zu Anfang des Kindergartenjahres zu beginnen, damit das Projekt bei Bedarf flexibel verschoben werden kann, ohne das Zeitdruck entsteht.
Am sinnvollsten ist es, das jede Gruppe eines Kindergartens an dem Projekt teilnimmt, erstens vermeidet man so das sich Elternkonflikte entwickeln und zweitens ist es sinnvoll, da sich die Kinder der verschiedenen Gruppen auf den Fluren begegnen oder Gruppenübergreifend gearbeitet wird und so die nicht-Faustlos-Gruppe nicht versteht was die Faustlos-Gruppe für Verhaltensmuster erlernt haben.
In jeder Einrichtung sollten mindestens zwei Fachkräfte mit Faustlos arbeiten, damit ein Austausch stattfinden kann.
Damit irgendwann die ganze Einrichtung involviert ist sollten zu einem späteren Zeitpunkt auch die anderen Fachkräfte zu Faustlos-Fachkräften ausgebildet werden.
Um die Eltern in das Projekt mit einzubeziehen liefert das Faustlos Handbuch vorgefertigte Elternbriefe.
Diese sollten nach gewohnter Art, in der die Einrichtung sonst Elternbriefe verfassen, verändert werden.
Zusätzlich ist es jeder Einrichtung freigestellt ob Elternabende zum Thema angeboten werden, oder andere Maßnahmen die Eltern mit einzubeziehen (z.B Einzelgespräch über die Entwicklung des einzelnen Kindes)
angeboten werden, auch ein Vermerk zum Besuch diese Homepage oder der Heidelberger Faustlos Homepage ist denkbar.
Faustlos-Fachkräfte die das Projekt mit Kindern durchgeführt heben können ein Zertifikat erlangen.
Hierzu müssen sie einen Zertifizierungsbericht (Erfahrungsbericht) ausarbeiten und zum Heidelberger Präventionszentrum senden.
Einen Vordruck hierzu finden sie im Handbuch.
Zu allen oben genannten Punkten ist zu beachten, das die Echtheit der Erzieherin gewährleistet bleibt, wenn sich die Erzieherin mit der Arbeitsweise in einer Lektion, oder zum Beispiel dem Handpuppenspiel nicht identifizieren kann, sollte sie es nach ihren Fähigkeiten individuell umgestalten.
Dennoch sollte sie sich erst einmal an die Faustlos Vorgaben halten, "erst einmal zu einem Platz hinkommen, bevor man ihn verlassen kann".
Es ist also ratsam in der ersten Runde mit Faustlos nach den Anweisungen zu arbeiten (dies gilt auch für die Altersgruppe, Gruppengröße etc.) und danach, nach eigenem Ermessen nach den eigenen Bedürfnissen, Erfahrungen und Kenntnissen umzugestalten.